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Pressetext
SaS 103 AS 16.10.2010 um 16.00 Uhr ORF 2
Titel: Wenn der Berg ruft – Ein Leben als Hüttenwirt

Rauf auf den Berg und rein ins Naturvergnügen. Das ist dieser Tage das Motto vieler Naturfreunde die sich auf eine Bergwanderung begeben um Luft und Landschaft in vollen Zügen zu genießen. Zu jeder ordentlichen Berg-Tour gehört selbstverständlich auch eine Einkehr in eine Almhütte. Haben Sie sich aber eigentlich schon mal gefragt, wie es Hüttenwirtinnen und -wirte auf ihre Hütten verschlägt, was sie antreibt und wie sie leben? In „Stöckl am Samstag“ geben drei Hüttenwirte Einblick in ihren Alltag.

Jakob Prantl
Jakob Prantl bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Daniela die Berghütte „Gampe Thaya“ auf 2.000 m in Sölden. Hüttenwirt zu sein war schon immer ein Traum des Tirolers, deshalb nahm er neben seinem Job in einem Hotel alle Mühe auf sich, um in den 80er Jahren eine 350 Jahre alte Hütte aus Familienbesitz zu renovieren: „Ich habe damals für den Umbau der Hütte alles, wie zum Beispiel die Schindeln fürs Dach, mit der Kraxe den Weg hinauf schleppen müssen.“ Neben seinem Job als Hüttenwirt betreibt der Tiroler noch eine Landwirtschaft im Tal. Auf der Hütte gibt es daher nur Produkte aus eigener Produktion: „Mir ist es sehr wichtig zu wissen, woher das Fleisch kommt, wie das Tier gehalten wurde und was es gefressen hat – und das schmeckt man auch.“ Deshalb sucht man auf seiner Speisekarte auch Speisen wie Spaghetti, Pommes oder Germknödel vergeblich. Auch sonst verfolgt der Hüttenwirt konsequent seinen Weg. Obwohl die Hütte mitten im Skigebiet von Sölden liegt, das für den Après-Ski-Tourismus bekannt ist, spricht er sich strikt dagegen aus: „Bei mir gibt es am Abend ruhige Musik im Hintergrund und kein Halli-Galli. Diejenigen die das wollen, können gern zur Hütte nebenan gehen.“ Wie schwer es für den ‚Tiroler Sturkopf‘ war diesen Weg zu gehen, wie wichtig die Unterstützung der Familie für ihn ist und warum er seinen Betrieb eher wieder verkleinern als vergrößern möchte, wird er bei Barbara Stöckl erzählen.

Silvia Huber
Hüttenwirt zu sein wird eher dem männlichen Geschlecht zugeschrieben, doch am „Hans-Berger-Haus“ sucht man vergeblich nach dem Herrn im Haus, denn dort hat Silvia Huber das Zepter in der Hand. Mit viel Engagement, Temperament und Liebe bewirtschaftet sie die Schutzhütte in 936 m Seehöhe im Kaisertal bei Kufstein. Bereits im Alter von 26 Jahren übernahm sie die Hütte von ihren Eltern und wurde dafür von so manchem belächelt: „‚Was will das Dirnderl da in der Männerdomäne?‘, haben die meisten gesagt, „die haben nicht gewusst, was ich tue und was ich kann, aber ich habe es Ihnen bewiesen und da bin ich stolz darauf.“ Dass Bergsteigen bis heute noch vielfach als Männerdomäne gesehen wird möchte die alleinerziehende Mutter ändern und bietet Kletterkurse speziell für Frauen an: „Mir ist aufgefallen, dass sich Frauen in gemischten Gruppen immer zurücknehmen, auch wenn sie die besseren sind. Ich will Frauen den Rücken stärken und Ihnen die Botschaft mitgeben ‚Ihr habt diesen Berg bestiegen, ihr könnt mehr!‘“ Auch sonst sprüht die gebürtige Steirerin vor Ideen und ist immer offen für Neues. So hat sie zum Beispiel die „Erste Gipfelbibliothek der Welt“ ins Leben gerufen. Was das genau ist, warum ihr eine Balance zwischen Tradition und Moderne wichtig ist und warum es sie nach Saison-Ende wieder in die Berge zieht wird sie in „Stöckl am Samstag“ erzählen.

Roland Hummer
ist Produktdesigner und Hüttenwirt
Roland Hummer führt ein „Doppelleben“, im positivsten Sinne. Der 44jährige Linzer ist nämlich nicht nur Produktdesigner und demnach für kreative, architektonische und gestalterische Projekt verantwortlich, sondern auch Hüttenwirt. „Ich genieße es jedes Jahr wenn ich auf die Hütte komme und von einem Tag auf den anderen keinen Termin mehr zu haben“, berichtet Roland Hummer. Seit mittlerweile 14 Jahren bewirtschaftet er jeden Sommer knapp vier Monate lang die Adolf Nossberger Hütte im Nationalpark Hohe Tauern. Auf 2.488 Metern verwöhnt er dabei seine Gäste mit einem gemütlichen Nachtquartiert sowie selbst und ganz ohne technische Küchengeräte gemachten Schmankerln. Die Lebensmittel dafür trägt er alle vier Tage eigenhändig nach oben. „Ich mag es mit Ressourcen managen zu müssen, nicht immer alles zur Verfügung zu haben, ich brauche das Gefühl, autark zu sein. Oben am Berg herrscht eine meditative Monotonie. Ich brauche die Erdung als Ausgleich zu meiner kreativen Arbeit“, zeigt sich der Teilzeithüttenwirt vom Bergleben begeistert. Ob er bei täglich 16 Stunden Arbeit auch Zeit für sich findet und worin die größten Entbehrungen für ihn liegen, erfahren sie in „Stöckl am Samstag“.